Fristenrechner für Post vom Finanzamt

Bis wann du Einspruch einlegen und zahlen musst: mit dem vierten Tag der Bekanntgabe, den Feiertagen deines Bundeslands, dem Säumniszuschlag und, beim Steuerbescheid, dem Verspätungszuschlag und den Zinsen. Jeder Schritt zeigt die Vorschrift dahinter.

Stand
Briefe
ab 2020
Geprüft
247 Prüffälle
Deine Daten
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01Der Brief

Das Datum oben im Brief.

Ging der Brief an deine Steuerberatung, wähle deren Bundesland.

Zum Beispiel, wenn du an der Landesgrenze wohnst oder deine Steuerberatung woanders sitzt. Wir rechnen dann mit den Feiertagen beider Länder und zeigen den früheren Tag.

Nur wenn du das belegen kannst, zum Beispiel mit dem Umschlag. Ein früherer Eingang ändert nichts.

02Einspruch

Die Rechtsbehelfsbelehrung nennt Frist, Form und Stelle.

03Zahlung

Mit den Beträgen rechnen wir den Zahltag, die Schonfrist und einen möglichen Säumniszuschlag.

04Verspätungszuschlag und Zinsen

Der Bescheid weist Verspätungszuschlag und Zinsen aus. Mit diesen Angaben rechnen wir beides nach.

Noch keine Berechnung

Trag das Datum aus dem Brief und das Bundesland ein. Dann siehst du hier, wann der Brief als bekannt gegeben gilt und bis wann du handeln musst.

So rechnet der Rechner

  1. Wann der Brief als bekannt gegeben gilt

    Ein Brief der Post gilt am vierten Tag nach seinem Datum als bekannt gegeben, ein Bescheid in ELSTER am vierten Tag nach der Bereitstellung. Ist dieser Tag ein Samstag, Sonntag oder Feiertag, zählt der nächste Werktag, mit den Feiertagen des Orts, an dem du den Brief bekommst. Für Bescheide der Gemeinde verschieben die Verwaltungsgerichte den Tag nicht; der Rechner nimmt dann den früheren Tag. Eine förmliche Zustellung, per gelbem Umschlag oder Einschreiben mit Rückschein, zählt ab dem Tag der Zustellung.

  2. Bis wann du Einspruch einlegen kannst

    Einen Monat ab der Bekanntgabe, bis zum Tag mit derselben Zahl; hat der Monat diesen Tag nicht, bis zu seinem letzten. Fällt das Ende auf ein Wochenende oder einen Feiertag am Sitz des Finanzamts oder der Gemeinde, endet die Frist am nächsten Werktag. Ohne richtige Rechtsbehelfsbelehrung gilt ein Jahr. Liegen Finanzamt und Empfänger in verschiedenen Bundesländern, zeigt der Rechner den früheren möglichen Tag.

  3. Wann du zahlen musst und was Verspätung kostet

    Die Nachzahlung aus einem Steuerbescheid ist einen Monat nach der Bekanntgabe fällig. Bei Überweisung bleiben drei Tage Schonfrist. Danach kostet jeder angefangene Monat 1 % des offenen Betrags, abgerundet auf volle 50 €, für jede Steuer einzeln.

  4. Verspätungszuschlag und Zinsen im Bescheid

    Der Rechner prüft, ob der Verspätungszuschlag festgesetzt werden muss oder nur kann, rechnet ihn nach und ebenso die Zinsen: 0,15 % für jeden vollen Monat, beginnend 15 Monate nach dem Steuerjahr, also am 1. April des übernächsten Jahres; für 2019 bis 2024 später. Der Entwurf des Jahressteuergesetzes 2026 würde den Satz ab 2027 verdoppeln; er ist noch kein Gesetz.

So haben wir geprüft

Fünf Recherchen haben die Regeln aus den Gesetzestexten, dem Anwendungserlass zur Abgabenordnung, Urteilen des Bundesfinanzhofs und Angaben der Finanzverwaltung zusammengetragen und jeweils unabhängig nachgerechnet. Der Rechner reproduziert 247 Prüffälle; 82 davon übernehmen Daten oder Beträge aus Urteilen, dem Anwendungserlass oder Beispielen der Finanzverwaltung. Die Tabelle rechnet der Rechner beim Bauen der Seite selbst; weicht ein Ergebnis ab, wird die Seite nicht veröffentlicht.

Prüffälle, berechnet beim Bauen der Seite
BriefBekanntgabeFrist bis
Steuerbescheid vom 23.12.2025, Post, Nordrhein-WestfalenBeispiel der Finanzverwaltung NRW29.12.202529.01.2026
Steuerbescheid vom 27.10.2025, Post, Niedersachsen (Reformationstag)abgeleitet03.11.202503.12.2025
Derselbe Brief in Nordrhein-Westfalenabgeleitet31.10.202501.12.2025
Steuerbescheid vom 30.12.2024, Post, Berlin (noch drei Tage)Art. 97 § 1 Abs. 15 EGAO02.01.202503.02.2025
Steuerbescheid vom 22.09.2026, Post, Bayern (vierter Tag Samstag)abgeleitet28.09.202628.10.2026
Steuerbescheid vom 10.09.2026, Post, Nordrhein-WestfalenJournal: Brief vom Finanzamt14.09.202614.10.2026
Bescheid in ELSTER bereitgestellt am 29.09.2026, Hessen (Tag der Deutschen Einheit)§ 122a Abs. 4 AO05.10.202605.11.2026
Einspruchsentscheidung im gelben Umschlag, Samstag 20.06.2026, Rheinland-PfalzBFH IV B 39/1020.06.202620.07.2026
Gewerbesteuerbescheid einer bayerischen Gemeinde vom 22.09.2026VG München M 10 S 21.451726.09.202626.10.2026
Bescheid vom 27.10.2025, bekommen in Niedersachsen, Finanzamt in NRWOFD Cottbus 2004; früherer Tag03.11.202501.12.2025
Steuerbescheid vom 02.03.2026 ohne Rechtsbehelfsbelehrung, Baden-Württemberg§ 356 Abs. 2 AO06.03.202608.03.2027

Was der Rechner nicht abbildet

  • Feiertage einzelner Gemeinden, etwa Mariä Himmelfahrt in Teilen Bayerns oder Fronleichnam in Teilen Sachsens und Thüringens. Der Rechner zeigt dann einen früheren Tag, nie einen späteren.
  • Ob du einen späteren Eingang belegen kannst und ob eine Belehrung wirklich fehlerhaft ist. Das entscheiden im Streit das Finanzamt und das Gericht.
  • Die Festsetzungsfrist, also wann ein Bescheid nicht mehr geändert werden darf. Sie hängt von Umständen ab, die ein Rechner nicht kennt.
  • Stundungs- und Aussetzungszinsen, die Kosten der Vollstreckung und Einsprüche gegen eigene Steueranmeldungen.
  • Säumniszuschläge auf die Kirchensteuer. Ob sie anfallen, regelt jedes Bundesland selbst.
  • Vorauszahlungsbescheide der Gemeinde für die Gewerbesteuer. Für den Rechtsbehelf gilt dasselbe wie beim Gewerbesteuerbescheid; die Zahltage stehen im Bescheid.
  • Einen Änderungsbescheid nach einer Schätzung. Der Verspätungszuschlag zählt dann nur bis zur Bekanntgabe des Schätzungsbescheids (§ 152 Abs. 9 AO); der Rechner zählt bis zur Abgabe oder zu diesem Brief, je nachdem, was früher war.
  • Wer erst nach Ablauf der Frist zur Abgabe aufgefordert wurde und bis dahin nicht mit einer Pflicht rechnen musste, zahlt den Verspätungszuschlag nur ab dem Ende der Frist in der Aufforderung (§ 152 Abs. 5 Satz 3 AO). Der Rechner rechnet dann zu hoch.
  • Feiertage im Ausland; bei Briefen ins Ausland zählen nur Samstag und Sonntag.
  • Briefe vor 2020 und Land- und Forstwirte mit abweichendem Wirtschaftsjahr.

Häufige Fragen

Wann gilt ein Steuerbescheid als bekannt gegeben?

Kommt er mit der Post, am vierten Tag nach dem Datum im Brief; für Briefe bis Ende 2024 war es der dritte (§ 122 Abs. 2 AO, Art. 97 § 1 Abs. 15 EGAO). Fällt dieser Tag auf einen Samstag, Sonntag oder Feiertag, gilt der nächste Werktag. Ein Bescheid in ELSTER gilt am vierten Tag nach der Bereitstellung als bekannt gegeben, ob du ihn geöffnet hast oder nicht. Ein gelber Umschlag mit Zustellungsurkunde und ein Einschreiben mit Rückschein zählen ab dem Tag der Zustellung, auch an einem Samstag.

Wie berechne ich die Einspruchsfrist?

Einen Monat ab der Bekanntgabe, bis zum Tag mit derselben Zahl (§ 355 AO, § 188 BGB). Ein Beispiel: Ein Bescheid vom 10.09.2026 gilt am 14.09.2026 als bekannt gegeben, die Frist endet am 14.10.2026. Fällt das Ende auf ein Wochenende oder einen Feiertag am Sitz des Finanzamts, endet sie am nächsten Werktag. Gib den Einspruch so ab, dass er bis 24 Uhr dort ist; der Poststempel zählt nicht.

Was gilt, wenn die Rechtsbehelfsbelehrung fehlt?

Dann hast du ein Jahr ab der Bekanntgabe Zeit (§ 356 Abs. 2 AO). Das gilt auch, wenn die Belehrung verschweigt, dass du den Einspruch elektronisch einlegen kannst (BFH VI R 41/17). Verlass dich nicht darauf: Ob eine Belehrung wirklich fehlerhaft ist, entscheidet im Streit das Gericht.

Wie hoch ist der Säumniszuschlag?

1 % im Monat auf den offenen Betrag, abgerundet auf volle 50 €, für jede Steuer einzeln (§ 240 AO). Schon ein Tag nach der Schonfrist kostet einen ganzen Monat. Wer eine Vorauszahlung von 1.234,56 € am 10.03.2026 fällig hat und das Geld erst am 20.04.2026 überweist, zahlt 24,00 €: zwei angefangene Monate je 1 % von 1.200 €. Bei Überweisung gibt es drei Tage Schonfrist; endet sie an einem Wochenende oder Feiertag, verlängert sie sich auf den nächsten Werktag (BFH V B 16/09).

Wann muss das Finanzamt einen Verspätungszuschlag festsetzen?

Wenn die Erklärung mehr als 14 Monate nach Ende des Steuerjahres kommt (§ 152 Abs. 2 AO); für 2020 bis 2024 gelten wegen der Corona-Fristen längere Grenzen, nämlich 20, 20, 19, 17 und 16 Monate (Art. 97 § 36 EGAO), für 2019 mit Steuerberatung 20 Monate (BFH VI R 2/24). Das gilt nicht, wenn das Finanzamt die Frist verlängert hat oder die Steuer durch Vorauszahlungen und Steuerabzüge gedeckt ist (Abs. 3). Er beträgt 0,25 % der Steuer abzüglich Vorauszahlungen und Steuerabzügen für jeden angefangenen Monat, mindestens 25 € im Monat. Ohne Erklärung für 2024 und mit einer geschätzten Einkommensteuer von 12.000 € sind das bei einem Schätzungsbescheid im September 2026 420,00 €, dazu 54,00 € Nachzahlungszinsen.

Stoppt ein Einspruch die Zahlung?

Nein. Die Steuer bleibt fällig, und Säumniszuschläge laufen weiter. Dafür brauchst du zusätzlich einen Antrag auf Aussetzung der Vollziehung (§ 361 AO), der einen Einspruch voraussetzt.

Gewerbesteuerbescheid der Gemeinde: Einspruch oder Widerspruch?

Gegen den Gewerbesteuerbescheid der Gemeinde legst du Widerspruch ein oder klagst, je nach Bundesland; in Bayern hast du die Wahl, in Niedersachsen ist die Klage der Regelfall. In Berlin, Hamburg und Bremen setzt das Finanzamt die Gewerbesteuer fest, dort ist es ein Einspruch. Maßgeblich ist, was in der Rechtsbehelfsbelehrung steht. Eine einfache E-Mail reicht für den Widerspruch nicht, und die Verwaltungsgerichte verschieben den vierten Tag bei Gemeindebescheiden nicht auf den Werktag. Einwände gegen den Gewinn gehören in den Einspruch gegen den Messbescheid des Finanzamts.

Was kann ich tun, wenn die Frist abgelaufen ist?

Wenn du ohne eigenes Verschulden verhindert warst, zum Beispiel durch eine Krankheit, kannst du Wiedereinsetzung beantragen: innerhalb eines Monats, nachdem der Grund weggefallen ist, zusammen mit dem Einspruch (§ 110 AO). Vor Gericht und gegenüber der Gemeinde sind es nur zwei Wochen. Nach einem Jahr ist sie ausgeschlossen, außer höhere Gewalt hat den Antrag bis dahin unmöglich gemacht. Der Rechner zeigt die Frist, sobald du angibst, wann du wieder handeln konntest.

Weiterlesen im Journal

Der Rechner dient der Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Er rechnet mit dem Datum im Brief als Tag der Aufgabe zur Post. Für Entscheidungen im Einzelfall frag deine Steuerberatung.